Studieren in Australien
Marcy′s kleiner Wegweiser
Einleitung
Tja, wo geht′s los? Wie fang ich an? Also, wenn erstmal feststeht, dass es Australien werden soll, ist das schon mal ein sehr guter Start. Und wenn es um ein oder zwei Auslandssemsester geht (Study Abroad), dann kannst du auf dieser Seite sicherlich ein paar gute Tips finden. Ich habe mein Auslandssemester an der University of Adelaide absolviert. Alle hilfreichen links zu diesem Thema, die mir eingefallen sind, findest du hier. Ich werde versuchen das ganze so allgemein wie möglich zu halten, an einigen Stellen wird sich aber vieles speziell auf meine Situation beziehen, nämlich Adelaide und Maschinenbau.
Die eigentlich wichtigste Frage am Anfang ist: Wann soll es denn soweit sein? Der ganze organisatorische Kram benötigt mindestens ein halbes Jahr (das sind 6 (sechs) Monate). Bei mir hat′s halbwegs geklappt in dieser Zeit, allerdings hat das entscheidene Nachteile:
- zum Zeitpunkt der Bewerbung hast du dein TOEFL Ergebnis noch nicht
- die Bestätigung der Uni kann lange dauern (hängt aber von der Uni ab), dass heisst der Semesterstart rückt immer näher und du sitzt ungeduldig zu hause und wartest darauf endlich den Flug buchen zu können (und die Abschiedsparty zu planen)
- du bekommst dein BAföG nicht rechtzeitig
Zuallerst solltest du folgendes immer Hinterkopf behalten: don′t panic - alles wird gut. So, dann musst du dich erstmal für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden: entweder alles selbst organisieren oder du suchst dir einen Anbieter wie zum Beispiel Institut Ranke-Heinemann oder GOstralia oder...(googlen!). Ich rate zu letzterem, denn dann erspart man sich einiges an Arbeit und wird gut beraten. Ich hatte für mein Auslandssemester das Institut Ranke-Heinemann gewählt und kann das nur weiterempfehlen.
Jetzt heisst es erstmal: Informationen über mögliche Zielunversitäten sammeln, das geht am schnellsten über′s Netz am bequemsten aber über den zuvor gewählten Vermittler. Nun heisst es erstmal Prioritäten setzen: Schöneres Wetter oder bessere Uni? Letzteres natürlich
Wenn man sich dann auf ca. 10 Wunschunis beschränkt hat kommt der nächstes Schritt: Zugangsvoraussetzungen prüfen. Hängt dann von der Zieluni, der Fachrichtung und u.U. vom Kurslevel ab. Für die meisten Unis ist ein Schnitt von 3,0 wohl ausreichend, einige nehmen aber erst ab 2,5. Weitere Voraussetzung ist natürlich ein Sprachnachweis, meist TOEFL oder IELTS. An einigen Unis reicht aber, wenn man Englisch bis zum Abi hatte, ein DAAD Test oder ein alternativer Test an der eigenen Uni. Für den TOEFL hängt die geforderte Punktzahl vom Studiengang ab, manchmal aber auch einfach von der Uni. So wollte bei mir die Uni Adelaide 233 Punkte sehen, während das RMIT und die meisten anderen bei denen ich mich umgeschaut hatte mit 213 zufrieden waren. Das Ergebnis kann übrigens auch problemlos nachgereicht werden.
Oke, jetzt will ich mal versuchen, alles zusammenzustellen, was man denn so machen muss, und in welcher Reihenfolge (aber ohne jegliche Gewähr). Startzeitpunkt soll für die ganze Organisation sollte so 1 oder ein ¾ Jahr vor geplantem Beginn des Auslandssemesters sein.
- Informationen sammeln und Agentur aussuchen
- Gültigkeit deines Reisepasses prüfen und ggf. neuen beantragen
- 2-3 Unis finden, wo du dir vorstellen kannst zu, studieren und wo du die notwendige Mindestnote hast
- BAföG beantragen (du musst eine Zieluni angeben, nimm von den 3, die du ausgesucht hast, die wo du am liebsten hinwillst. Wenn es damit nicht klappt, kannst du das auch immer noch ändern)
- Sprachtest machen
- Bei den Unis über die gewählte Agentur bewerben
- WARTEN...Nachdem die Zusage dann (endlich) da ist gehts auch gleich weiter:
- Studienplatz annehmen (=bezahlen)
- Visum beantragen
- Flug buchen
- Gedanken über die Unterkunft in Australien machen
- Vorsorgen (Versicherungen und so)
Sieht einfach aus? Naja, kommen wir erst mal zu den...
...Details...
zu 1.
Information bekommt man auf verschiedenen Wegen. Erste Anlaufstelle ist das Auslandsamt deiner Uni. Dort sollte man sich erstmal erkundigen, ob denn nicht einige Partnerschaften zu möglichen Zielunis bestehen,so dass man möglicherweise um die Studiengebühren herumkommt. Oftmals sind bei solchen Programmen aber nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen vorhanden, so dass es wiedermal auf deine Noten ankommt.
Das Internet bietet viele Informationen, einfach mal nen grossen Becher Kaffee nehmen und ordentlich rumgooglen. Und wenn man schon mal dabei ist, findet man eine von den bereits erwähnten Vemittlungsstellen, sucht sich eine aus, und, wenn man das noch nicht vom Auslandsamt bekommen hat, lässt man sich haufenweise Informationsbroschüren zuschicken. Vielleicht einfach auch mein bei meinen Links vorbeischaunen, das ist schon ne ziemlich gute Basis.
zu 2.
Du brauchst für das Visum natürlich nen gültigen Reisepass. Da dass immer eine Weile dauert, bis man denn dann auch hat, steht das hier schon an zweiter Stelle.
zu 3.
Spricht ja eigentlich für sich selbst. Naja nur soviel: Manchmal sind potentielle Arbeitgeber etwas gemein und fragen Dinge wie "Warum haben Sie ihr Auslandssemester gerade in X gemacht?" Da hilft es dann schon, wenn man nicht nur sagt "Weil die Uni X allgemein einen sehr guten Ruf hat" sondern da auch tatsächlich was dran ist. Aber das stimmt natürlich sowieso für alle australischen Unis
. Und wenn du wirklich gutes Wetter haben willst, dann sollte ich dich mal darauf hinweisen, dass Adelaide dafür nicht die beste Entscheidung ist...
zu 4.
Das ist ein sehr interessanter Punkt...Und zudem gibt′s auch wirklich schon genug im Netz. Und man muss da wirklich selber durch und ich bin auch viel zu schreibfaul um das alles aufzuschreiben. Daher nur die zwei wesentlichsten Tips:
Mindestens 6 Monate vorher beantragen und ca. 6 Wochen vorher beim Amt anrufen und nachfragen, ob denn mit dem eingereichten Unterlagen alles in Ordnung ist, oder ob gar noch was fehlt. Naja vielleicht noch: Es kann sein, dass das Amt von dir eine Bescheinigung von deinen Banken haben möchte, wie viel Geld du den am Tag der Antragstellung auf deinem Konto hattest...
zu 5.
Muss man fast immer. Manchmal reicht auch nen DAAD Sprachtest, den man bei der eigenen Uni machen kann. Ich hab den TOEFL gemacht. Hatte mein Schulenglisch (Grundkurs) zum Zeitpunkt des Tests rund dreieinhalb Jahre nicht verwendet, hab den ganzen online Übungskram gemacht und dann hat das auch geklappt. Dauert einigeWochen, bis das Ergebnis da ist.
zu 6.
Formulare ausfüllen und mit den ganzen Unterlagen abschicken.
Wasn für Unterlagen, ey? Na die, die Uni haben will und die dir deine Agentur genannt hat. Zum Beispiel: Bescheinigung der Noten, Beschreibung der bisher besuchten Kurse (Syllabus), Kopie vom Reisepass, Motivationsschreiben...Falls du Maschinenbau studierst und Schwierigkeiten bei der Erstellung des Syllabus hast, kannste ja mal hier rein gucken
zu 7.
zu 8.
Klar oder? Das ganze schöne Geld, das du dir mühsam zusammengekratzt hast ist dann weg...Danach bekommst du dann aber auch deine Confirmation of Enrolment (CoE), die darin zu findende Nummer brauchst du um das Visum zu beantragen (vorher geht das auch gar nicht).
zu 9.
Geht prima und eigentlich auch nur online. Kreditkarte, CoE und Pass bereithalten und dann geht das schon. Hatte meins nach nicht mal 24 Stunden. Kommt per email und das ist auch alles was du bekommst, also gut aufheben und auf jedenfall nen Ausdruck mit zum Flughafen nehmen. Link zur richtigen Seite bei meinen Links nachgucken.
zu 10.
Am besten auch online. Solltest du auch über nen Anbieter machen, denn du brauchst fürs BAföG-Amt ne Bescheinigung, dass das denn auch der zum Buchungszeitpunkt günstigste Flug war. Wenn möglich nimm nen Flug über Amerika, dann kannst du nämlich 2x 32kg mitnehmen anstatt 1x20. Allerdings haben die Airlines oft gegenüber den armen Studenten auch ein offenens Ohr (oder geschlossene Augen) und meist ist daher etwas Übergepäck nicht so dramatisch (ich hatte 23 kg und das war kein Problem). Kommt dann aber auch auf die Gutmütigkeit des Check-In Personals an. Also, lächeln
Und: plane gut. Hinterher umbuchen is teuer. Vielleicht willste nach dem Semester reisen und fliegst dann am besten von ner anderen Stadt nach hause? Es gibt auch "offene" Tickets, die ein Jahr gültig sind und du daher mit dem Rückflugdatum sehr flexibel bist.
zu 11.
Hier hilft an erster Stelle der accommodation Service der Uni. Meist hat die Uni Studentenwohnheime und links zu Zimmer- und Wohnungsbörsen. Man kann auch ne zeitweilige Unterkunft nehmen (von der Uni organisiert) und sich dann nach Ankunft potentielle Mitbewohner ausgucken und sich dann selbst um was bemühen. Schadet aber nicht, sich vorher schon umzusehen. Hoch lebe das www.
zu 12.
Haftpflicht? Krankenkasse? Brauche ich alles?. Fürs Visum muss man sowieso eine OSHC abgeschlossen haben (Overseas Student Health Cover). Haste nen Urlaubssemester, biste dann noch bei deiner Krankenkasse versichert? Willst du vielleicht extra Leistungen, die nicht in der OSHC enthalten sind? Bist du noch bei deinen Eltern haftpflichtversichert? Und zahlt sie Versicherung denn auch, wenn du was im Ausland kaputt machst?
ein Erfahrungsbericht
Die University of Adelaide zusammengefasst: nett, gemütlich (trotz ihrer Größe), hübscher Campus und zentral gelegen. Wenn man ankommt und weiss erstmal nich wohin, kein Problem. In der Orientation Week vor dem Vorlesungsbeginn wird einem eigentlich alles erklärt und gezeigt was man so wissen muss.Und auch nach der Woche steht man nicht alleine da. Also, unbedingt hingehen. Es gibt Informationsveranstaltungen, jede Menge Informationsmaterial, BBQs (lecker), Campusführungen, Bibliothekseinweisungen, Kaffee & Tee und die Möglichkeit an Ausflügen teilzunehmen. Einer davon führte mich nach Victor Harbor und in den Urimbirra Wildlife Park. Heisst also gleich in der ersten Woche Koalas & Kängurus gucken, anfassen und füttern. Einfach grossartig! Das wirklich beste an dieser Einführungswoche ist aber in Grunde genommen, dass man die meiste Zeit mit Gleichgesinnten verbringt (= ahnungslose, gerade angekommene, internationale Studenten). Genug Möglichkeiten also erste Bekanntschaften zu machen und schon mal zu gucken, mit wem man denn möglicherweise Kurse zusammen hat und mit wem man Parties feiern kann.
Nach der Orientation Week geht′s dann los mit der Eingewöhnung ins australische Unisystem. In Adelaide heisst das: Vorlesungen gehen 50 Minuten (fangen immer 10 Minuten nach der vollen Stunde an, falls nicht anders vereinbart), Skripte muss man zumeist kaufen, es wird stärker mit Beamern und Powerpoints gearbeitet (meist dann auch runterladbar), denn es gibt eine vollständige Multimediaausstattung (Computer, Beamer, OH Projektor, Video/DVD Player...) in nahezu jedem Raum (kann man für 8000$ aber auch erwarten, finde ich). Es wird mehr mit Lehrbüchern gearbeitet. im Bereich Engineering geht das noch, aber von einigen Leuten im Bereich Economics/Commerce usw. hab ich gehöhrt dass das schon die 100$ Marke sprengt und das manchmal pro Buch. Das muss man sich dann gut überlegen, besonders wenn man nur ein Semester da ist (vieles gibt es aber auch gebraucht von anderen Studenten zu kaufen).
Insgesamt erscheint mir alles etwas organisierter und das Personal (insbesondere die Mitarbeiter in den Sekretariaten und den Studentenzentren) motivierter. Besonders gut gefallen haben mir die Online-Services der Uni, die man zum Teil nutzen muss. Es gibt hier zwei Sachen die nennen sich "MyUni" und "Access Adelaide". MyUni ist im Grunde genommmen ein Portal für (fast) alle Lehrveranstaltungen. Man findet dort Informationen zu den Dozenten, Kursunterlagen, Assignments, wichtige Termine und kann Kontakt zu den anderen Studenten des jeweiligen Kurses aufnehmen (über Discussion Boards oder per Email). Weiterhin gibt es allgemeine Informationen und Foren für alles Mögliche. Access Adelaide ist die "offizielle Schnittstelle" zur Univerwaltung wenn man so will. Man muss dort seine Kontaktdaten angeben, Kurse auswählen und sich einschreiben (geht nur online!). Dann bekommt man aber auch gleich seinen Studenplan fertig angezeigt und mitgeteilt ob sich Kurse zeitlich überschneiden. Hier werden auch auch Ort & Zeit für die Klausuren angezeigt, sobald diese feststehen (wobei es beim Ort nicht soviel Auswahl gibt, denn nach südaustralischen Hochschulgesetz müssen gleiche Bedingungen für alle Studenten herrschen, das heißt Klausurzeitraum sind ist derselbe für alle und Ort eigentlich auch, nämlich die Adelaide Showgrounds ). Und die Ergebnisse hinterher dann natürlich auch. Weiterhin wird einem dort mitgeteilt, wieviel Geld man der Uni noch schuldet bzw. wieviel man schon gezahlt hat.
Es gibt zahlreiche Computer an der Uni die fü alle Studenten gleichermaßen nutzbar sind und zusätzlich noch mehr von den verschiedenen Fachbereichen. Dadurch bekommnt man dann auch meist 2 "Druckquotas", also eine gewisse Menge Geld, die man dann zum drucken verwenden kann. Das reicht eigentlich auch (bei mir waren das 30$ allgemein + 50$ für Ingenieursstudenten). Etwas schwach ist, was man an externem Internet kostenlos nutzen kann. Das waren nur 175MB Traffic für das gesamte Semester... Extern heißt hierbei, alles was nicht von der Uni zur Verfügung gestellt wird oder freigeschaltet ist (Seiten der anderen Unis in Adelaide, Bibliothekskataloge und einige Onlinedatenbanken). Naja, aber es gibts Cafés mit kostenlosem WLAN und es gibt ja die Möglichkeit sich zuhause einen Anschluss zu besorgen.
Kulturschock? Wohl kaum. Eher ein "Kulturerstaunen". Australien bzw. die australische Kultur ist einfach anders...Es ist schwer zu beschreiben wie es wirklich ist, man muss es wohl selbst erlebt haben. Die Menschen dort sind viel "wärmer", man wird überall offen und feundlich empfangen, wenn man ein Problem hat oder irgendetwas nicht versteht, versucht jeder einem weiterzuhelfen. Nicht zu vergleichen mit der "Berliner Schnauze" jedenfalls, vielleicht liegts einfach am besseren Wetter.
Jedenfalls ist diese Wärme genau das, was einem als internationaler Student wirklich zugute kommt. Was sonst noch? Hmm also: BBQs, Tim Tams, Iced Coffee ("it′s a Farmers Union Iced Coffee - or it′s nothing"), Aussie Football und Cricket (hab die Regeln und den Reiz bis heute nicht verstanden). Alkohol ist teurer als hier und gibt′s nur in Bottle Shops, in Pubs natürlich auch mit entsprechendne Preisen, an Stränden darf man meist eh keinen Alkohol trinken.
Die Leute sind von Gebiet zu Gebiet recht verschieden und immer etwas anders drauf (liegt einfach an den großen Entfernungen) und das Land an sich ist einfach wunderschön. Man findet immer wieder atemberaubende Ausblicke, einsame Strände, Regenwälder, Berglandschaften oder einfach nur kilometerweise nichts...
Naja, gibt sicher noch Unmengen mehr zu erzählen (Wenn ich was wirklich Wesentliches vergessen habe weist mich bitte darauf hin) aber es gibt ja auch dementsprechende Unmengen an Info im Netz.